In der Provinzhauptstadt Maradi (350.000 Einwohner) konnte in Zusammenarbeit mit der örtlichen Caritasorganisation CADEV (Caritas-Dévelopement) eine Augenheilstation aufgebaut und eingerichtet werden.
Zielgruppe des Projekts sind Augenkranke, besonders aus den Elendsvierteln der Stadt und des Umfeldes von Maradi. Besondere Zielgruppe sind minderjährige Kinder, die in großer Anzahl an Trachom (tropische Infektionskrankheit) leiden, eine besonders häufige vermeidbare Erblindungskrankheit in Afrika.
Mit der Errichtung der Augenheilstation in Maradi sollen in erster Linie Behandlungsmöglichkeiten für Augenkrankheiten für besonders bedürftige Randgruppen innerhalb der sozial schwächsten Bevölkerungsschicht mit geringem oder überhaupt keinem Einkommen geschaffen werden. Die Hauptursache für Blindheit in Niger sind grauer Star (45%), Trachome (25%), Glaucome (22%) und andere Erkrankungen (8%). Zu den meisten betroffenen Regionen gehört auch Maradi.
In der Republik Niger gibt es zurzeit nur sieben operierende Augenärzte, d.h. einen Augenchirurg für rund 1,7 Mio. Einwohner. Entsprechendes gilt für die vorhandenen 20 auf Augenkrankheiten ausgebildeten Krankenpfleger. Rechnerisch sind das etwa 600.000 Einwohner pro Augenkrankenpfleger. Es braucht nicht besonders betont zu werden, dass das staatliche Gesundheitswesen angesichts auch anderer epidemieartiger Erkrankungen (z.B. AIDS) vor enormen medizinischen Infrastrukturproblemen steht.
Die Einrichtung einer Apotheke in der Augenheilstation soll einer breiten Bevölkerung in Maradi und im Umfeld zugute kommen. Zielgruppe sind besonders Bedürftige, die Medikamenten weitgehend kostenlos erhalten sollen. Anderen Bevölkerungsschichten soll eine preisgünstige Bezugsquelle und Beratung geboten werden. Von zahlungskräftigen Patienten wird für die verabreichte Medizin eine Gebühr erhoben. Es sollen vor allem Medikamente zur Behandlung der dort am häufigsten vorkommenden Krankheiten wie Malaria, Augenkrankheiten, Darminfektionen, Parasitenbefall, Meningitis, Protein- und Vitaminmangelerkrankungen, Fehl- und Unterernährung etc. vorgehalten werden.
Mit der in die Augenheilstation integrierten Optikerwerkstatt soll grundsätzlich die Zielgruppe der Sehbehinderten in den Elendsvierteln erreicht werden. Die durch Sehschwäche verursachten Folgen sind z.B. Behinderungen bei der Arbeit bis zur Arbeitsunfähigkeit, behinderter oder blockierter Zugang zu Informationen, Bildung, Ausbildung und Berufsausübung. Vor allem Kinder sind vielfach durch Sehschwäche beim Schulunterricht benachteiligt, indem sie dem Unterricht nicht folgen können. Die Optikerwerkstatt wird deshalb mit einfachen Geräten für Reihenuntersuchungen in Schulen ausgestattet sein. Von zahlungskräftigen Sehbehinderten wird für die Sehhilfe eine Gebühr erhoben.
Das Augenzentrum wurde vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), der aa/D und der Caritas Niger finanziert und am 24.1.2011 eingeweiht.
Auch nach Fertigstellung und Einweihung des Zentrums wird weiterhin ein Fonds benötigt für Medikamente und für die Behandlung mittelloser Bewohner.
Weitere Informationen: aa/D-Freundeskreis Wiesbaden